Kein Paar wie jedes andere. Als sich Paul Himmel und Lillian Bassman kennenlernten, waren beide noch Teenager. Der 1914 als Sohn ukrainischer Einwanderer geborene Himmel (✝ 2009) und die 1917 geboren Lillian Bassman wurden ein Paar – und blieben es die kommenden 75 Jahre! Aber neben ihrer Beziehung und der Liebe zueinander, verband die beiden vor allem die Liebe zur Fotografie.
Das Ergbenis dieser doppelten Leidenschaft ist aktuell in den Deichtorhallen in Hamburg zu bewundern.

REPORTSKEPTICS_099 © Lillian Bassman
Himmel und Bassmann arbeiteten allerdings nicht als gemeinsam, als Paar, sondern separat: Bassmann, die zuerst bei der Zeitschrift Junior Bazaar und später Harper’s Bazaar als Art-Direktorin tätig war, prägte das Bild der Modefotografie, aber auch das des Zeitschriftenlayouts in den 1940er bis 1960er Jahren maßgeblich. Ihre Bilder führen damals einen neuen Frauentypus ein: schlank und feingliedrig, fast schwanengleich. Sie erschuf eine Ästhetik, die bis ihre Gültigkeit bis heute bewahrt hat.

50er JAHRE MODE: OHNE TITEL, UNDATIERT © Lillian Bassman
Doch nicht nur die Komposition bestimmte das Werk von Lillian Bassman, sondern auch ihr Drang mit neuen fotografischen Verfahren zu experimentieren, die ihren Fotos eine fast malerische Anmutung gaben. Richard Avedon sagte dazu: „Was sie macht, hat eine geradezu magische Kraft. In der Geschichte der Fotografie ist es niemand anderem gelungen, diesen atemberaubenden Moment zwischen der Erscheinung der Dinge und ihrem Verschwinden sichtbar zu machen.“.

KRÖNUNG DES CHIC, JADA, HUT VON PHILIP TREACY © LILLIAN BASSMANN
Noch experimenteller als Bassmann aber arbeitete Himmel, der ebenfalls für verschiedene Modemagazine wie Vogue arbeitete. Berühmtheit erlang er mit seinen Aufnahmen von Aufführen des New York City Ballet – die die Bewegung nicht als Standbild einfing, sondern tatsächlich einen Bewegungsablauf im Bild festhielt. In den kommenden Jahren radikalisierte er sein Werk immer mehr und seine Aufnahmen wurden für einen kommerziellen Kontext zu schließelich zu experimentell und so wandte sich Himmel der freien Kunst zu.

CIRCUS SWIRL / JONGLEUR, 1946 © PAUL HIMMEL
Durch die von Edward Steichen kurierte Ausstellung „The Family of Man“, 1955 im Museum of Modern Art, deren Einladungskarte ein Werk von Paul Himmel zeigte, wurde er weltbekannt. Im Jahr 1969 entschied er sich allerdings dennoch seine Fotografen- und Künstler-Laufbahn gegen die eines Psychotherapeuten einzutauschen.

Die Ausstellung in den Deichtorhallen in Hamburg ist die erste umfassende Retrospektive des Künstlerpaars, sie zeigt über 500 Werke aus verschiedenen Jahrzehnten und ist noch bis zum 21. Februar 2010 zu sehen.
Deichtorhallen HamburgHaus der Photographie – Aktuelle Kunst Deichtorstraße 1 – 2
20095 Hamburg
Deutschland
ÖffnungszeitenDi bis So 11 – 18 Uhr
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